Die Unternehmensnachfolge zählt heute zu den wichtigsten wirtschaftlichen Herausforderungen für Deutschland. Für den Wirtschaftsstandort, für Kommunen, Unternehmer und Beschäftigte stellt sie nicht nur eine betriebliche Frage dar, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Denn eine erfolgreiche Nachfolge entscheidet maßgeblich über:
- den Erhalt regionaler Wirtschaftsstrukturen
- die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen
- die Zukunftsfähigkeit von Kommunen
- den Erhalt von unternehmerischem Wissen und Innovationskraft
- sozialen Wohlstand und Stabilität in unserer Gesellschaft
Gerade im deutschen Mittelstand, der das Rückgrat unserer Wirtschaft bildet, ist die Unternehmensnachfolge keine strategische Option, sondern eine Frage der Existenz – für jedes einzelne Unternehmen und für die Volkswirtschaft insgesamt.
Bedeutung für Kommunen
Für Städte und Gemeinden ist die Unternehmensnachfolge ein Standort- und Strukturthema: Unternehmensnachfolge ist kommunale Wirtschaftsförderung in Reinform.
- Sicherung von Arbeitsplätzen vor OrtScheitert eine Nachfolge, drohen Betriebsschließungen oder Abwanderung – mit direkten Folgen für Beschäftigung und Kaufkraft.
- Stabilisierung der regionalen Wirtschaft Gerade im Mittelstand sind Unternehmen häufig tief in lokale Wertschöpfungsketten eingebunden. Eine gelungene Nachfolge erhält diese Netzwerke.
- Steuer- und Einnahmesicherung Gewerbesteuer, Einkommensteueranteile und lokale Investitionen hängen vom Fortbestand der Unternehmen.
- Vermeidung von Leerständen und Strukturbrüchen Betriebsaufgaben führen insbesondere in kleineren Kommunen zu Gewerbeflächenleerstand und Attraktivitätsverlust.
- Demografischer Wandel Viele Unternehmer erreichen gleichzeitig das Rentenalter. Kommunen stehen vor der Aufgabe, einen „Nachfolge-Stau“ aktiv zu begleiten.
Bedeutung für Unternehmen
Für Unternehmen ist die Nachfolge eine Existenzfrage:
- Fortbestand des Lebenswerks Besonders bei familiengeführten Betrieben ist die emotionale Bindung hoch.
- Wissens- und Erfahrungssicherung Unternehmerwissen ist oft nicht dokumentiert. Ohne geregelte Übergabe geht wertvolles Know-how verloren.
- Wettbewerbsfähigkeit und Innovation Eine gut geplante Nachfolge ermöglicht strategische Weiterentwicklung statt Stillstand.
- Planungssicherheit für Kunden und Partner Klare Nachfolgeregelungen schaffen Vertrauen bei Banken, Lieferanten und Auftraggebern.
Bedeutung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
Für Beschäftigte ist Unternehmensnachfolge ein soziales Sicherheitsthema:
- Arbeitsplatzsicherheit Ungeklärte Nachfolgen erhöhen das Risiko von Kündigungen oder Standortschließungen.
- Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten Neue Inhaber bringen oft Investitionen, Modernisierung und neue Karrierechancen mit.
- Betriebsklima und Unternehmenskultur Transparente Übergänge reduzieren Unsicherheit und Fluktuation.
- Regionale Lebensqualität Der Erhalt von Arbeitsplätzen sichert Einkommen, soziale Bindungen und Wohnorttreue.
Zentrale Chancen für neue Unternehmens-eigentümer
Im Vergleich zu Neugründung ergeben sich bei der unternehmerischen Transformation neben Herausforderungen wie der höheren Verantwortung und des geringeren Gestaltungsspielraum bei gut vorbereiteter Unternehmensnachfolge viele Vorteile
- Bestehende Marktposition Etablierter Kundenstamm, bekannte Marke mit Reputation, bestehende Lieferantenbeziehungen. Somit sofortige Umsätze statt Markteintrittsphas
- Eingespielte Organisationerfahrene Fachkräfte, funktionierende Prozesse für operative Stabilität ab Tag 1.
- Finanzielle Planbarkeit historische Zahlen, vorhandene Bankverbindung erleichtern im Vergleich zum Startup notwendige Finanzierung. Somit geringeres Anfangsrisiko.
Warum Unternehmensnachfolge jetzt höchste Priorität braucht
Mit mehr als 3,8 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland gehören über 99 % aller Unternehmen zum Mittel-stand. Diese Unternehmen beschäftigen mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen und erwirtschaften einen bedeutenden Anteil des Bruttoinlandsprodukts.
Trotz dieser enormen Bedeutung steht der Mittelstand vor einer historisch großen Herausforderung: In den kommenden Jahren stehen zahlreiche Unternehmen vor dem Generationswechsel. Studien zeigen, dass:
- laut KfW jährlich etwa 125.000 mittelständische Unternehmer ihre Betriebe übergeben wollen und im Zeitraum bis Ende 2027 rund 626.000 Unternehmen zur Unternehmensnachfolge anstehen.
- bis 2028 rund 600.000 Unternehmen mit etwa 3 Mio. Arbeitsplätzen zur Übergabe stehen.
- rund 532.000 Betriebe im Mittelstand bis 2028 eine Nachfolgelösung anstreben, aber gleichzeitig etwa 310.000 Unternehmer über eine Betriebsstillegung nachdenken, wenn kein Nachfolger gefunden wird.
- 145.500 Unternehmen schon heute als übergabereif gelten – weil Inhaber über 60 Jahre sind und bald eine Regelung benötigen. Diese Zahlen zeigen deutlich: Die Zeit zum Handeln ist jetzt.
Strukturelle Risiken und Chancen der Unternehmensnachfolge
Demografischer Wandelund Altersstruktur
Einer der stärksten Treiber des Nachfolgeproblems ist der demografische Wandel: Unternehmerinnen und Unternehmer werden immer älter – gleichzeitig sinkt die Bereitschaft der jüngeren Generation, Betriebe zu übernehmen. Derzeit liegt lauf KfW das durchschnittliche Alter der Mittelstandseigentümer bei über 54 Jahren, und mehr als die Hälfte aller Inhaber sind 55 Jahre oder älter.
Dies führt dazu, dass die Zahl der geplanten Übergaben in den nächsten Jahren deutlich ansteigt. Doch oft genug fehlt ein geeigneter Nachfolger – entweder innerhalb der Familie oder extern. Experten schätzen, dass in rund 30 % der Fälle kein geeigneter Nachfolger gefunden wird, was im schlimmsten Fall zur Betriebsschließung führen kann.
Familieninterne vs. externe Nachfolge
Traditionell war die generationen interne Unternehmensnachfolge – also die Übergabe an Familienmitglieder – der häufigste Fall. Doch immer weniger Familienmitglieder sind bereit oder in der Lage, den Staffelstab zu übernehmen. Schätzungen der Stiftung Familienunternehmen zeigen, dass bei einem großen Teil der Familienunternehmen noch kein interner Nachfolger feststeht. Deshalb gewinnen externe Nachfolgelösungen, Management Buy-Ins (MBI), externe Übernahmen oder sogar Investorenein-stiege zunehmend an Bedeutung.
Die zentralen Handlungsfelder der Unternehmensnachfolge
- 1. Frühe Nachfolgeplanung und strategische Vorbereitung
- 2. Nachfolger finden – familienintern und extern
- 3. Rechtliche, steuerliche und finanzielle Beratung
Der erfolgreiche Übergabeprozess beginnt nicht erst wenige Monate vor der Übergabe, sondern idealerweise mehrere Jahre vorher. Studien zeigen, dass viele Unternehmer zu spät mit der Nachfolgeplanung starten. Das kann enorme Risiken bringen – angefangen bei fehlender Vorbereitung, mangelhafter Unternehmensbewertung, ungeklärten rechtlichen und steuerlichen Fragen bis hin zu Arbeitsmarktproblemen. Frühzeitige Planung schafft Vertrauen, Klarheit und volle Wertschöpfung aus der Unternehmensübergabe.
Ein erfolgreiches Nachfolge-Matching ist essenziell. Mittelständische Unternehmer müssen heute weit über den klassischen Familiennachfolger hinausdenken:
- interne Talente im Management
- externe Übernehmer aus der Branche
- strategische Investoren
- Kooperationsmodelle mit größeren Einheiten
Dabei spielen Netzwerke, M&A-Berater und Kammern eine Schlüsselrolle, um geeignete Nachfolger zu identifizieren und zusammenzuführen.
Die Unternehmensnachfolge ist ein rechtlich und steuerlich komplexer Prozess. Die richtige Strukturierung entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg – sowohl für den Übergeber als auch für den Nachfolger. Steueroptimierung, Finanzierungsmodelle, Bewertungsverfahren und Vertragsgestaltung sind Teil eines erfolgreichen Übergabeprozesses. Erfahrene Berater und Banken liefern hier den Schlüssel zum Erfolg.
Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.
Ganz gleich, ob übergabewillige mittelständische Unternehmen, potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger, M&A-Häuser, Banken und Finanzierer, Wirtschafts- und Steuerkanzleien, Berater und Coaches, politische Vertreter und Institutionen – wir sorgen für werthaltige Beziehungen und Partnerschaften.